Die Ausgangslage
Für die Kreisverwaltung Landkreis Darmstadt-Dieburg ergab sich der Bedarf an Diversity-Workshops aus einem ganz konkreten Anlass: dem Onlinezugangsgesetz (OZG). Mit diesem Gesetz war klar, dass die Verwaltung ihre Angebote digitalisieren muss – von Formularen bis hin zu Online-Prozessen. Gleichzeitig war klar: Es geht nicht nur um technische Barrierefreiheit, sondern auch darum verständlich, diskriminierungssensibel und inklusiv zu kommunizieren.
Denn: Jede Abteilung veröffentlichte bis dato ihre eigenen Flyer und Texte – in unterschiedlichen Tonalitäten und ohne einheitliche Diversity-Standards. Die Verwaltung wollte sicherstellen, dass ihre gesamte Kommunikation möglichst viele Menschen erreicht, niemanden ausschließt und auch im Design wie in der Sprache konsequent inklusiv gedacht wird.
So gründete sich die Arbeitsgruppe „Kommunikation, die ankommt“ – mit dem Ziel, die Vielfalt der Bürger*innen des Landkreises sichtbar und respektvoll anzusprechen.
Das Ziel
Die Workshops mit doppelpakk sollten keine reine Theorieübung sein, sondern:
- Sensibilisierung für diskriminierungskritische Themen schaffen,
- die Verwaltung befähigen, inklusiv zu texten und zu gestalten,
- Sicherheit im Umgang mit Gendern und diversitätssensibler Bildsprache geben,
- und konkret umsetzbare Arbeitshilfen & Checklisten bieten.
Besonders wichtig war: Nachhaltigkeit. Die Workshops sollten keine einmalige Fortbildung, sondern ein Baustein im Wandel der Verwaltungskultur werden.
Unser Ansatz
Insgesamt fanden vier Workshops statt – drei zu geschlechtergerechter Sprache und ein weiterer zu diversitätssensibler Bildsprache.
Die inhaltliche Mischung:
- Fachliche Inputs mit rechtlichem & linguistischem Hintergrund,
- praktische Übungen (z. B. Texte überarbeiten, Bildmaterial kritisch hinterfragen),
- Dialogformate für Reflexion und Austausch,
- methodische Vielfalt: online und interaktiv, um auch volle Terminkalender zu berücksichtigen.
Individuelle Anpassung: Die Inhalte wurden auf die spezifischen Herausforderungen der Kreisverwaltung zugeschnitten: von formalen Anschreiben über Bildwelten für Broschüren bis hin zu digitalen Services.
Besondere Herausforderungen
Als Behörde steht die Kreisverwaltung vor einer extrem breiten Zielgruppe:
- Bürger*innen aller Altersklassen,
- ganz unterschiedliche Sprach- und Bildungsbiografien,
- spezifische Anforderungen in Bezug auf Barrierefreiheit, Gendern und Verständlichkeit.
Hinzu kam: Verwaltungssprache ist oft sehr formal.
Die Herausforderung bestand also darin, einerseits Rechtssicherheit und Einheitlichkeit zu gewährleisten und andererseits zeitgemäße, inklusive Kommunikation zu ermöglichen.
Was hat’s gebracht?
Aus der Workshopreihe sind mehrere positive Entwicklungen hervorgegangen.
Hilfreiche Werkzeuge wie Checklisten und Handreichungen unterstützen die alltägliche Anwendung. Diese werden von Mitarbeitenden in ihrer Arbeit genutzt, zum Beispiel für den Website-Relaunch des Kreises oder in der Kommunikation mit Kund*innen oder Kolleg*innen
Gleichzeitig haben sich Multiplikator*innen herausgebildet, die das Thema in ihre Teams tragen und so für eine nachhaltige Verankerung sorgen.
„Das sind kleine Schritte, aber sie zeigen uns, wie wichtig Sensibilisierung ist. Wir haben gemerkt: Kommunikation ist dann erfolgreich, wenn sich die Menschen erkennbar angesprochen fühlen.“
– Büro für Migration und Inklusion
Was bleibt
- Eine sensibilisierte Haltung in Sprache und Bild – getragen von Multiplikator*innen im Haus.
- Praktische Werkzeuge wie Checklisten & Guidelines, die auch unabhängig von Workshops nutzbar sind.
- Ein vertieftes Verständnis, dass Diversity-Arbeit keine einmalige Maßnahme, sondern ein langfristiger Kulturwandel ist.
Learnings
Erfolgreiche Verwaltungskommunikation braucht mehr als technische Barrierefreiheit – sie muss auch in Sprache und Bild Vielfalt sichtbar machen. Schon kleine Veränderungen im Alltag, etwa in E-Mails, entfalten eine große Signalwirkung und motivieren dazu, dranzubleiben. Nachhaltigkeit statt Strohfeuer heißt, Kulturwandel durch kontinuierliche Begleitung und interne Multiplikator*innen zu verankern. Dafür braucht es Räume für Austausch, Reflexion und Fehlerfreundlichkeit, die alle Mitarbeitenden mitnehmen – unabhängig davon, an welchem Punkt ihrer Diversity-Reise sie stehen.






